Geschichte des Fanfarenzug Bad Waldsee e.V.
Am 20. November 1970 wurde der Fanfarenzug Bad Waldsee von zehn Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen: Robert Fimpel, Manfred Franke, Otto Gütler, Ludwig Handtke, Hans-Jürgen Heilig, Karl Hermanutz, Werner Kesenheimer, Herbert Mayer,
Konrad Veser und Roland Zell. Bereits kurz nach der Gründung standen die ersten Herausforderungen an: Instrumente mussten selbst finanziert und ein geeigneter Probenraum gefunden werden.
Die ersten Proben fanden im Mälzerkeller in Steinach statt. Das unbeheizte Gewölbe war besonders im Winter alles andere als angenehm. Doch die Begeisterung der jungen Musiker war größer als die Kälte. Vor und nach den Proben traf man
sich deshalb im Wirtshaus zum Aufwärmen – der Zusammenhalt war von Anfang an ein wichtiger Teil des Vereinslebens.
Bereits zur Fasnet 1971, nur vier Monate nach der Gründung, trat der Fanfarenzug erstmals öffentlich auf. Die erste „Uniform“ bestand aus schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzem Mäschele am Kragen. Trotz eines Repertoires von nur
drei Musikstücken begeisterte die Gruppe das Publikum so sehr, dass spontan von Wirtschaft zu Wirtschaft musiziert wurde.
Der große Erfolg führte noch im selben Jahr zur Anschaffung echter Uniformen. Nach einiger Überlegung entschied man sich für Landsknechtsuniformen in den Stadtfarben von Bad Waldsee mit dem Stadtwappen auf der Brust. Jeder Spieler beteiligte sich mit 200 Mark an der Finanzierung. Mit dieser neuen Ausstattung gelang dem Fanfarenzug endgültig der Durchbruch.
Beim Seenachtsfest 1971 übernahm der Zug erstmals die traditionelle Tagwache. Bereits morgens um sechs Uhr wurden die Bürger mit Fanfarenklängen und Trommelwirbeln geweckt – eine Tradition, die den Fanfarenzug bis heute fest mit dem
Stadtleben verbindet.
Schon früh richtete sich der Blick über Bad Waldsee hinaus. 1972 trat der Zug bei der Fasnacht in Zürich auf und knüpfte dort die bis heute bestehende Freundschaft mit dem Karnevalsclub Rüsselsheim. Bereits 1973 folgte die Einladung
zum internationalen Gardetag nach Rüsselsheim. Beim Wettbewerb mit 22 weiteren Zügen erreichten die Waldseer einen hervorragenden zweiten Platz. Seitdem bestehen regelmäßige gegenseitige Besuche.
Eine weitere langjährige Freundschaft entstand 1974 mit der Berliner Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb Charlottenburg. Die Auftritte auf dem Kurfürstendamm und im Olympiastadion sorgten damals für große Aufmerksamkeit, da ein musikalischer
Landsknechtszug in Berlin nahezu unbekannt war. Ebenfalls 1974 übernahm Hans Dobler die musikalische Leitung des Vereins und prägte diese bis 1997 entscheidend.
1976 begann der Verein intensiv mit der Jugendarbeit. Unter Jugendleiter Manfred Franke sowie mit großem Einsatz von Hans Dobler und Gerhard Frick entstand ein Jugendfanfarenzug, der über viele Jahre den Nachwuchs sicherte. Elf Jahre
später wurde unter Jugendleiter Thomas Nester ein weiterer Jugendfanfarenzug gegründet, der ebenfalls erfolgreich bei verschiedenen Veranstaltungen auftrat.
1977 übernahm Manfred Franke den Vorsitz des Vereins von Karl Hermanutz, der den Fanfarenzug seit der Gründung geführt hatte. Während seiner 14-jährigen Amtszeit erlebte der Verein sowohl erfolgreiche als auch schwierige Zeiten. Besonders
die Nachwuchssorgen führten 1984 dazu, dass aus dem reinen Männerzug ein gemischter Verein wurde. Heute sind rund 40 Prozent der Aktiven Frauen, die sich schnell und selbstverständlich in die Gemeinschaft integrierten.
Zum 10-jährigen Jubiläum im Jahr 1980 stand der Verein vor einer großen organisatorischen Herausforderung. Da die Stadthalle wegen Umbauarbeiten nicht zur Verfügung stand, entschied man sich erstmals für ein Festzelt – eine Entscheidung,
die sich als voller Erfolg erwies. Auch das 15-jährige Jubiläum wurde deshalb wieder im Festzelt gefeiert. Höhepunkt war die feierliche Fahnenweihe mit einer Fahne des Stadtwappens und einer Fahne mit den württembergischen Löwen
im Rahmen eines Zeltgottesdienstes mit Dekan Mattes.
1990 präsentierte sich der Fanfarenzug zum 20-jährigen Jubiläum in neuer Uniform. Die Grundfarben blieben erhalten, jedoch wurde die Uniformjacke weiß gestaltet und ein Barett mit langer Feder ersetzte den bisherigen schwarzen Hut.
Ein Jahr später übernahm Hans Dobler zusätzlich das Amt des ersten Vorsitzenden.
Ein fester Bestandteil der Waldseer Fasnet sind bis heute die kreativen und jährlich wechselnden Kostüme des Fanfarenzugs. Begonnen hatte diese Tradition 1987 mit bunt besprühten Papieroveralls. Es folgten unter anderem Ölscheichs,
blaue Harlekine, elegante Fräcke mit Zylinder, Kapitäne, Phantom-der-Oper-Kostüme, amerikanische Cops sowie Märchenfiguren aus „1001 Nacht“. In den folgenden Jahren erschienen die Mitglieder unter anderem als Kosaken, Gestiefelter
Kater, Musketiere, griechische Weinflaschen, Astronauten und Hofnarren.
Von 1992 bis 1994 veranstaltete der Verein außerdem den beliebten Fasnetsball „Kanal Fatal“. 1995 wurde stattdessen eine große Fasnetsdisco organisiert.
Auch international pflegt der Fanfarenzug zahlreiche Freundschaften. Besonders eng sind die Verbindungen nach Frankreich. 1986 führte eine Einladung erstmals ins elsässische Rixheim zum dortigen Stadtfest. Weitere Besuche im Elsass folgten 1991 und 1993. 1989 reiste der Zug außerdem nach Chalon-sur-Saône, einer bekannten Hochburg des französischen Karnevals.